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Hantavirus-Infektionen - Eine unterschätzte Erkrankung

Bundesweite Zunahme der Hantavirus-Infektionen. Das Robert-Koch-Institut registrierte in diesem Jahr (1. - 14. KW) ca. 456 Fälle. Der Großteil der Erkrankungsfälle wurde aus Baden-Württemberg gemeldet.

Erreger und Epidemiologie

Hantaviren gehören zur Familie der Bunyaviren und sind weltweit verbreitet. Dabei handelt es sich um behüllte, ca. 80 – 120 nm kleine RNA-Viren.
Unterschiedliche Spezies kleiner Nagetiere (z. B. Mäuse und Ratten) dienen den verschiedenen Hantavirus-Typen als Reservoir und sind Quelle für Infektionen des Menschen.
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch das Einatmen viruskontaminierter Aerosole, kontaminierten Staubs oder den direkten Kontakt mit den kontaminierten Ausscheidungen der asymptomatischen, lebenslang infizierten Nager (Speichel, Urin, Kot). Infektionen durch Bisse infizierter Tiere sind ebenfalls beschrieben. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist möglich, jedoch nicht der Hauptübertragungsweg und bisher überwiegend für den südamerikanischen Typ beschrieben.

VirusReservoirVorkommenKrankheitsbild
PuumalaRötelmausNord-, West- und MitteleuropaHämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom, Nephropathia epidemica
DobravaBrand-/ Gelbhals-mausMittel- und Osteuropa, BalkanHämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom
SeoulRattenweltweitHämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom
HantaanBrandmaus, gestreifte koreanische FeldmausSüdostasien, Südeuropa, östliches RusslandHämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom
Sin NombreHirschmausSüdamerikaHantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom


In Deutschland sind 2 Hantavirus-Serotypen endemisch: im Süden und Westen Deutschlands ist das Puumala-Virus vorherrschend, im Osten und Norden das Dobrava-Virus.

Wann besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko?

Hantavirus-Infektionen kommen das ganze Jahr über vor. Besonders hoch ist die Infektionsgefahr jedoch in den Frühjahrs- und Sommermonaten (Mai bis September), eng gekoppelt an die massenhafte Vermehrung der Reservoirtiere.
Tätigkeiten/Berufe mit besonderem Infektionsrisiko:

  • Arbeiten in der Forstwirtschaft oder im Bauwesen,
  • der Aufenthalt im Freien, der zu Kontakt mit Nagern und/oder deren Ausscheidungen führen kann (z. B. Soldaten im Feld, Gartenarbeiten, Holzschlagen oder – stapeln, Jagen, Joggen, Zelten),
  • der Aufenthalt in und – vor allem – die Reinigung von Scheunen, Schuppen, Ställen oder Häusern, in denen Nager vorkommen oder vorkamen

Klinik

Die Erkrankung verläuft häufig asymptomatisch. Symptomatische Erkrankungen werden unter dem Begriff "Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom" zusammengefasst und treten nach einer Inkubationszeit von ca. 2 – 4 Wochen in Erscheinung. Krankheitsbild und Verlauf einer Erkrankung sind abhängig vom Virustyp.
Die durch in Mitteleuropa vorkommenden Hantaviren verursachten Erkrankungen verlaufen zunächst grippeähnlich (toxische Phase):

  • abrupt einsetzendes, über 3 – 4 Tage anhaltendes hohes Fieber (> 38°C)
  • Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen
In dieser Phase kommt es zu einer Leukozytose (oft > 20.000/ml), Thrombozytopenie und zum Auftreten von punktförmigen Blutungen (Petechien) am Rumpf und weichen Gaumen.
In der darauffolgenden Krankheitsphase (renale Phase) kann es zu

  • Blutdruckabfall,
  • Nierenfunktionsstörungen (Kreatininanstieg, Proteinurie) und schließlich
  • zu akutem Nierenversagen kommen.

Die symptomatische Infektion ist häufig durch eine monatelange Rekonvaleszenzphase geprägt. Die Erkrankung heilt dann jedoch vollständig aus.
Die Nephropathia epidemica ist gekennzeichnet durch eine Tage bis Wochen anhaltende Niereninsuffizienz mit stark erniedrigter Urinproduktion (z. T. Anurie) gefolgt von einer Polyuriephase.
Man geht davon aus, dass in Zentraleuropa ein erheblicher Teil der bisher als idiopathische interstitielle Nephritiden klassifizierten Erkrankungen durch Hantavirus-Infektionen verursacht werden. Aufgrund des unspezifischen Krankheitsbildes bleiben jedoch eine Vielzahl von Hantavirus-Infektionen in Deutschland unentdeckt.

Diagnostik und Abrechnung

Serologie (Antikörpernachweis)

Anforderung:Hantaviren
Material:Serum
Entnahmesystem:weiße Monovette

Mit Symptombeginn sind meist schon IgM-Ak nachweisbar, kurz gefolgt von IgG-Ak.
Bitte vergessen Sie nicht, auf dem Überweisungsschein die Ausnahmekennziffer (32006) zu vermerken.

Differentialdiagnosen

  • Leptospirose, Ornithose, Influenza
  • bei entsprechendem epidemiologischen Hinweis: andere virusbedingte hämorrhagische Fieber (Gelbfieber, Krim-Kongo-, Marburg-, Ebola- und Lassa-Viren)

Therapiemöglichkeiten und Impfung

 

 

Die Therapie erfolgt rein symptomatisch (Analgetika, Volumensubstitution, ggf. Dialyse).
Ein Impfstoff ist erst in der Entwicklung.
Eine Infektion hinterlässt jedoch eine Serotyp-spezifische Immunität.

 

Präventionsmöglichkeiten

  • Vermeidung des Kontakts zu Nagetieren und deren Ausscheidungen
  • Verhinderung des Eindringens von Nagetieren in den Wohnbereich

Meldepflicht

Es besteht nach §7 IfSG eine Labormeldepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt sofern der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist.
Sollte sich ein virologisch bedingtes hämorrhagisches Fieber bestätigt haben, muss nach §6 IfSG auch eine Meldung durch den Arzt erfolgen.

 

 

 

 

 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Tel. 0335 5581-100.

 

 


Dipl.-Biol. Stefanie Hund

Dr. Nico Pietack
Diplom-Biologe

Dr. med. Dirk Bandt
Facharzt für Mikrobiologie

Literatur

RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Hanta-virus

Marre; Mertens; Trautmann; Vanek, Klinische Infektiologie, Urban und Fischer: München, Jena 1. Auflage 2000

Krauss H.; Weber A.; Appel M.; Enders B.; Graevenitz A. v.; Isenberg H. D.; Schiefer H. G.; Slenczka W.; Zahner H., Zoonosen - Von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten, Deutscher Ärzteverlag: Köln 3. Auflage 2004

RKI; Epidemiologisches Bulletin, 2012; Nr. 10, 17
 
 
Stand: Mai 2012

 

 

 


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