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Optimierung der Pertussis-Diagnostik

Der sichere Nachweis einer floriden Pertussis-Infektion ist nur mit Hilfe einer PCR und nur innerhalb der ersten Wochen nach Symptombeginn möglich. Die Verlaufskontrolle erfolgt mit serologischen Verfahren.

Bordetella pertussis, der primäre Erreger des Keuchhustens, wird durch erkrankte Personen und symptomfreie Träger (Schutzgeimpfte) per Tröpfcheninfektionen übertragen. Die Inzidenz ist im Herbst und Winter erhöht (Mitteleuropa).

Erreger

Bordetella pertussis: obligat aerobes gram-negatives Stäbchen, unbeweglich, bekapselt
Virulenzfaktoren: Pertussis-Toxin (PT), filamentöses Hämagglutinin (FHA) u. a.
Weitere Bordetellen, wie B. parapertussis und B. bronchiseptica, verursachen mildere Verlaufs-formen des Keuchhustens. Diese Infektionen treten seltener auf.

Labordiagnostik

Der DNA-Nachweis wird mit der PCR (Polymerase-Kettenreaktion) aus Nasopharyngeal-Abstrichen durchgeführt und erfasst B. pertussis und B. parapertussis. Die Probennahme erfolgt mit einem Pertussis-Abstrichbesteck das im Labor bestellt werden kann. Das optimale Zeitfenster für die PCR liegt in den ersten Wochen nach Symptombeginn.
Der serologische Nachweis von Antikörpern gegen B. pertussis erfolgt mittels ELISA (Enzyme Linked Immunosorbend Assay). Hierfür wird eine Serum-Probe benötigt.



MaterialartEntnahmesystemLagertemperatur
PCRAbstrichPertussis-AbstrichbesteckKühlschrank 2 - 8 ° C
ELISABlutweiße Serum-MonovetteRaumtemperatur

Hinweise:

  • Infektionsverdacht besteht bei Serokonversion oder bei hohen IgG-Titern.
  • Eine serologische Unterscheidung zwischen Impfantwort und einer Infektion ist nicht möglich. Für die serologische Bewertung muss die letzte Impfung gegen Pertussis mehr als 3 Jahre zurückliegen (Bitte auf dem Anforderungsschein vermerken!).
  • Die Interpretation erfolgt anhand der Vorwerte.
  • Über die Immunität gegen Pertussis kann mit serologischen Methoden keine sichere Aussage getroffen werden.
  • Bitte auf dem Überweisungsschein und in Ihrer Labor-EDV die Ausnahmekennziffer 32006 vermerken!
  • Bitte beachten Sie die geänderten Referenz-bereiche!
AntikörperklasseNachweis positiv
IgG> 11,5 U
IgA> 11,5 U
IgM> 11,5 U

U (Unit): Herstellerspezifischer Index (dimensionslos)

Klinische Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 20 Tage. Der Krankheitsverlauf nach der Inkubationszeit wird in drei Stadien unterteilt.
Stadium catarrhale (1 - 2 Wochen)

  • grippeähnliche Symptomatik: Schnupfen, leichter Husten, Abgeschlagenheit

Stadium convulsivum (4 - 6 Wochen)

 

 

  • bei Kindern: typische Hustenanfälle (Stakkatohusten) gefolgt von hörbarem inspiratorischem Ziehen
  • häufig gefolgt von Hervorwürgen von zähem Schleim und/oder Erbrechen
  • Anfälle nachts häufiger und stärker als am Tag 

 

Bei "teilimmunisierten" Jugendlichen und Erwachsenen verläuft Pertussis meist als lang andauernder Husten und ist nicht durch die typischen Hustenanfälle gekennzeichnet.
 
Stadium decrementi (6 - 10 Wochen)
  • allmähliches Abklingen der Hustenanfälle
  • Komplikationen: Pneumonie, Otitis media, zerebrale Anfälle, Enzephalopathie, bei Säuglingen kann es zu Apnoen kommen.

Differentialdiagnose

  • Infektionen mit Adenoviren, RSV, Influenza B, Parainfluenza-Viren, Mycoplasmen, Chlamydien
  • Säuglinge: Doppelinfektionen von B. pertussis mit Viren, wie RSV 
  • Kleinkinder: Fremdkörperaspiration

Präventive Maßnahmen

Säuglinge sollten nach Vollendung des 2. Lebensmonats drei Impfungen erhalten (2., 3. und 4. Lebensmonat). Eine Boosterimpfung ist zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat durchzuführen. Die Auffrischungsimpfungen sollten zwischen dem 5. und 6. sowie zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr mit dem Tetanus-Diphterie-Keuchhusten-Kombinationsimpfstoff Tdap (bzw. Tdap-IPV) durchgeführt werden.
Die STIKO empfiehlt außerdem eine Impfung von Personen, die in den letzten 10 Jahren keine Impfung erhalten haben. Insbesondere gilt dies für Frauen im gebärfähigen Alter und Personen, die engen Kontakt mit Neugeborenen haben (Eltern, Geschwister, Großeltern und Tagesmütter), sowie für Personal im Gesundheitsdienst und in Gemeinschaftseinrichtungen.
Personen mit unvollständigem Impfschutz sind Überträger des Erregers und können an Pertussis erkranken, ohne das typische Krankheitsbild aufzuweisen.

Therapie

 

 

Für die Antibiotikatherapie werden Makrolide wie Azithromycin, Clarithromycin und Roxithromycin empfohlen. Alternativ kann ab dem 8. Lebensjahr Doxycyclin eingesetzt werden. Eine Therapie mit Antibiotika sollte erfolgen, solange eine Ansteckungsfähigkeit besteht (Ende der Inkubationszeit, Stadium catarrhale, bis zu 3 Wochen nach Beginn des Stadiums convulsivum).

 

Meldepflicht

Eine Meldepflicht (Arztmeldepflicht und Labormeldepflicht) für Pertussis nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) existiert nur in den neuen Bundesländern.
Gemäß IfSG §34 Abs.6 müssen Verdachtsfälle und Erkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen (Betreuung von Säuglingen, Kindern, Jugendlichen) an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden (Angaben zu Krankheit und Person).
Kriterien für die Meldung:

  • positiver PCR-Nachweis
  • hoher IgG-Titer im Erstserum und signifikanter Titeranstieg im Folgeserum

 

 

 

 

Aktualisierter Grenzwert für die Meldung eines hohen IgG-Titer an das Gesundheitsamt: IgG > 40 U

 

 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung, Tel. 0335 5581-100.

Dr. med. Dirk Bandt
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie, Infektionsepidemiologie

Dr. rer. nat. Nico Pietack
Diplom-Biologe

Dr. med. Frank Berthold
Facharzt für Laboratoriumsmedizin
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie, Infektionsepidemiologie

 

 

Literatur:

 

  • Heininger, U., Ärztemerkblatt Pertussis (Deutsches Grünes Kreuz), Verlag im Kilian 2010
  • RKI, Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, Epid Bull 2011, 201130:275-294
  • RKI-Ratgeber für Ärzte, Pertussis, Epid Bull 2010, 43

 

Stand: Februar 2012

 


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